Mein verspäteter Beitrag zu Donnas Schreibprojekt:
Seit dem letzten Herbst hatte sich so viel verändert. Nachdenklich schaute er an die weiße Wand und beobachtete die schwere Tür, die sich bald wieder für einen kurzen Augenblick öffnen würde.
Seine Welt hatte sich im Laufe des letzten Jahres um 180 Grad gedreht, und er betrachtete die Dinge plötzlich aus einer anderen Perspektive. Er konnte nicht sagen, wann genau es passiert war, es war wohl im letzten Winter, als ihm plötzlich ein Licht aufging. Diese Wortwahl gefiel ihm übrigens besonders gut, denn es kam ihm wirklich wie eine Erleuchtung vor, nachdem er so lange geglaubt hatte, nur die Schattenseiten zu sehen. Früher hatte er sich immer gefragt, wozu das alles gut sein soll, und nun war er plötzlich sicher, eines der großen Geheimnisse des Lebens für sich entdeckt und gelüftet zu haben.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens hatte er sich – wie so viele andere Menschen auch – immer wieder gestellt und hatte doch nie eine zufriedenstellende Antwort erhalten. Ein Stein oder eine Blume – hatten diese Dinge einen Sinn, oder passierten Dinge „einfach nur so“?
Bei der Suche nach Antworten war ihm klar geworden, dass weder ein Stein noch eine Blume sich jemals solche Fragen stellen würden. Sie waren einfach da, und Alles um sie herum passierte, ohne einen besonderen Grund zu haben. Was aber war mit uns, den Menschen? Unsere Intelligenz versetzte uns in die Lage, über solche Fragen nachzudenken und nach einem Sinn zu suchen. Und sie versetzte uns auch in die Lage, uns selbst eine Antwort auf diese Frage zu geben.
Er war zu dem Schluss gekommen, dass Dinge und Geschehnisse nur dadurch einen Sinn bekommen konnten, dass es jemanden gab, der über sie nachdachte, und der ihnen einen Sinn gab. Daher konnte es keinen vorgegebenen Sinn geben, den man „finden“ konnte, sondern man musste selbst einen Sinn „er-finden“. Doch wenn ein Sinn nur durch das eigene Denken entstehen konnte, was hinderte dann die meisten Menschen daran, die Welt stets positiv zu sehen?
Jeder Mensch hatte es schließlich selbst in der Hand, den Dingen einen positiven oder einen negativen Sinn zu geben, und er war deshalb doch offenbar auch für sein eigenes Glücklich- oder Unglücklichsein verantwortlich. Ausgehend von diesen Gedanken hatte er für sich selbst irgendwann beschlossen, sich fortan auf das Glücklichsein zu konzentrieren. Er hatte an den König denken müssen, den „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry auf seiner Reise zu den Sternen getroffen hatte. Dieser König konnte der Sonne befehlen, auf und unter zu gehen, natürlich nur zu bestimmten Zeiten, denn die Befehle mussten „geeignet“ sein. Genau wie dieser König wollte er es mit seinen Wünschen tun: Sie sollten „geeignet“ sein, dann würden sie alle in Erfüllung gehen.
Er hatte einige Male versucht, andere Menschen von seiner Denkweise zu überzeugen und sie dadurch zu glücklichen Menschen zu machen, aber sie hatten ihn immer nur ganz merkwürdig angeschaut und sich dann von im abgewandt. Sie hatten mit dem Finger auf ihn gezeigt und ihn als Spinner bezeichnet, doch sie taten ihm leid, denn sie konnten nicht sehen, dass er mit seinem neuen Leben glücklich war. Als er im Sommer auf dem Markplatz Flugblätter mit seinen Thesen verteilen wollte, hatte man ihn fortgebracht.
Die schwere Tür öffnete sich, und zwei weiß gekleidete Herren kamen herein. Sie stellten ihm einen Teller mit einer kleinen Malzeit auf das Tischchen: Eine Scheibe Weißbrot mit Wurst und eine Scheibe Schwarzbrot mit Käse, dazu einen frischen Apfel. Er stand auf und ging zu dem Tischchen, nahm den Apfel in die rechte Hand und streckte den Arm aus. Er ließ den Apfel nach oben fallen. Die kahle Decke teilte sich, und das Dunkel der Nacht verschlucke das sterile Weiß der Neonlampe. Als der Apfel im Nachhimmel verschwand, folgte er ihm zu den Sternen.
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Kompliment an eine WolkeFür Dich, Du dunkle Wolke da im Abendlicht, Dein Bauch wird von der Sonne rosa angeleuchtet, |
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KlassentreffenDie Wiedersehensfeier war gelungen, Wir trafen uns nach dreiunddreißig Jahren - Es gab so vieles Neues zu berichten So mancher sprach von alter Liebelei, Ich hoffte sehr, dass ich sie wieder seh’, |
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Spätsommer
Einst flüsterte im Frühling leis der Wind, Auf einer herrlich weiten, grünen Wiese, Der heiße Sommer ist nun bald vorüber, Doch wird’s auch draußen wieder lau und kühl, |
Mein Beitrag für Donnas Schreibprojekt:
Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal… nein, wirklich nicht, sein Gedächtnis ließ ihn jämmerlich im Stich. Sie fragte noch einmal: „Na los, denk’ nach, wann hast Du mir das letzt mal Blumen mitgebracht, einfach nur so?“ Er versuchte, sich zu erinnern, aber es wollte ihm nicht einfallen. „Oder, wann hast Du mir zuletzt etwas Schönes gekocht, um mich zu überraschen?“
Mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde ihm deutlicher, dass sie recht hatte. Was sollte er ihr antworten? Das schlechte Gewissen quälte ihn, und er schwieg. Ob es für sie wohl ein Triumph war, zu sehen, wie er um eine Antwort rang? Er überlegte, ob er vielleicht den Müll erwähnen könne, den er häufig herunter brachte, oder den Geschirrspüler, den er unaufgefordert aus- und wieder einräumte. Aber ihm war klar, dass es ihr nicht um diese alltäglichen Dinge ging. Sie wollte einen Liebesbeweis, etwas, dass eben nicht alltäglich war und sowieso gemacht werden musste. Sie fing an zu weinen: „Findest Du das nicht traurig, dass Dir dazu überhaupt nichts einfällt? Liebst Du mich überhaupt?“
Er steckte in der Klemme. Liebte er sie wirklich? Die Frau, die regelmäßig solche einseitigen Diskussionen führte, vor allem dann, wenn er von der Arbeit kam, und sie an diesem Tag frei hatte? Konnte es vielleicht sein, dass sie an solchen Tagen ihre freie Zeit dazu nutzte, sich neue Vorwürfe für ihn auszudenken? Es kam ihm jedenfalls so vor. Er hatte sie schon einmal danach gefragt und sie damit sehr verletzt, denn sie liebte ihn ja und dachte in jeder freien Minute an ihn und daran, wie sie ihm eine kleine Freude machen könne, so hatte sie damals geantwortet. Er hatte tagsüber andere Dinge im Kopf und war auch abends noch gedanklich bei der Arbeit. Oft schaltete er zu Hause noch den Computer an, um noch etwas zu erledigen, was er tagsüber nicht geschafft hatte. Wenn er sich abends noch an den Rechner setzte, würde sie das verhasste Ding am liebsten aus dem Fenster werfen.
Er wollte sich vor kurzem mit einem alten Schulfreund treffen. „Und was habe ich? Wann gehe ich denn mal ohne Dich aus, um mich zu amüsieren? Findest Du das gut so, wie es hier momentan läuft? Wenn Du abends nach Hause kommst, setzt du dich entweder an den PC oder schläfst auf dem Sofa neben mir ein. Wenn hier alles vernünftig laufen würde, dann hätte ich überhaupt nichts dagegen, wenn du dich mit alten Freunden triffst“, das war ihre Antwort gewesen. Und er fühlte sich auch jetzt schon wieder schrecklich müde.
Er trat an sie heran und versuchte, sie in den Arm zu nehmen und zu trösten, und er hörte sich selbst sagen: „Natürlich liebe ich Dich. Und Du hast recht. Ich mache viel zu wenig für Dich, aber ich werde mich bessern, versprochen.“ Nun endlich erwiderte sie seine Umarmung und hielt ihn fest umschlungen. Sehr fest. Manchmal in solchen Situationen würde er auch gerne weinen, aber das konnte er nicht. Wann hatte er eigentlich das letzte Mal geweint, und warum konnte er sich nicht auch einfach so fallen lassen? Das war eine Frage, die er sich selbst ebenso wenig beantworten konnte, wie ihre bohrenden Fragen, mit denen sie sein Gewissen hart anfasste.
Später, als sie nebeneinander im Bett lagen und noch wach waren, dachte sie: „Morgen wird er mir bestimmt Blumen kaufen, aber das zählt nicht, denn das macht er nur, weil ich etwas gesagt habe.“ Sie wusste, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen können würde. Er wusste das auch, und er wusste ebenso, dass er selbst in ein paar Minuten eingeschlafen sein würde. Er nahm sich fest vor: „Morgen kaufe ich ihr Blumen, ganz sicher. Ich weiß zwar, dass sie sagen wird, dass es nicht zählt, aber das ist mir egal. Ich mache es trotzdem. Für mich.“
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Meinem Papa zum GeburtstagUm Deine Nase weht Dir gern der Ostseewind, Du hast so viele Länder schon geseh’n Wenn Du es ausdruckst, hast Du’s auf Papier: |
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Tag des SteuerzahlersZu Jahresbeginn ruft der Staat „Briklebrit, Schon über die Hälfte das Jahres ist rum, Die Steuerlast trägt jeder huckepack Jetzt freut sich das Volk auf die eigene Asche, |
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Der FroschIch saß ganz still an meinem kleinen Weiher Da kam ‘ne Königstochter eines Tags vorbei, Ihr Herz, das war die Frage, wer gewinnt’s? Fiel Dir die gold’ne Kugel in den Teich? Ich hol’ Dir aus dem Feuer keine Kohlen |
Die folgende Gedicht-Reihe entstand in Zusammenarbeit mit Bruni Kantz, die den Mittelteil (kursiv) beigesteuert hat. Danke, Bruni!
Es begann mit einem Kommentar zu ihrem Gedicht Sattes Grün:
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Anna-LuiseAm Rande der blühenden Wiese
Anna-Luise
So hat sie sich herab gebückt, Sie flüstern ihr geheime Worte Und fragst Du Dich, so wie die meisten Leute, |
Nachdem gestern – wie ich finde völlig zu recht – der norwegische Beitrag zum Eurovision Song Contest „Fairytale“ von Alexander Rybak weit abgeschlagen den ersten Platz erreicht hat, habe ich mich mal an einer Überstzung ins Deutsche versucht:
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MärchenfeeDamals war’s, als ich noch jung war Refrain Jeden Tag, mussten wir streiten Plötzlich dann war sie verschwunden, Refrain Sie ist ‘ne Zauberfee, yeah |